Corona – eine Krise die größer ist als ein Virus 7. April 202017. April 2020 In der dritten Woche, die wir alle zu Hause verbringen (viele auch schon länger), richten wir unseren Blick auf diejenigen in unserer Gesellschaft, die mit der Krise auf ganz persönliche Weise zu kämpfen haben. Fernab der großen Probleme in Krankenhäusern und der Wirtschaft führen auch viele Personen zu Hause tagtäglich einen Kampf gegen Sorgen und Einsamkeit, aber auch gegen Gewalt. Wir alle tragen die Maßnahmen mit, mit dem großen Fragezeichen im Kopf „Wie geht es weiter?“ Ein Zustand, den wir rasend schnell hingenommen haben, an den wir uns aber nicht langfristig gewöhnen wollen. Ein Zustand, um katastrophale Entwicklungen wie die in Italien und Spanien hier zu verhindern. Wie sicher ist mein Arbeitsplatz und mein Einkommen? Geht es meinen Angehörigen gut? Fühlt meine Mutter sich einsam, jetzt wo ich sie nicht mehr besuchen kann? Wie fühlt sich die Zeit für meine Kinder an und wie sehr vermissen sie ihre Freunde? Wie geht es weiter mit Schule und KiTa? Macht mein Arbeitgeber das noch lange mit? Wie wird sich die Pause aufs nächste Schuljahr auswirken? Dabei ist den meisten Menschen auch bewusst, dass diese Situation am härtesten die trifft, die sowieso schon in einer schwierigen Lage leben: Obdachlose, Geflüchtete und Menschen in Gewaltbeziehungen, ebenso Personen, die gesundheitlich vorbelastet sind, Ältere und Alleinerziehende. So führt diese Situation uns auch vor Augen, wie sehr wir Menschen und unsere Schicksale miteinander verknüpft sind. Wie wichtig Gesundheit ist: Für uns, aber auch für die Umgebung, in der wir leben. Dass jetzt noch mehr als sonst gegenseitige Rücksichtnahme und das Mitdenken auch der Bedürfnisse der anderen in unserem Handeln eine Rolle spielen sollte. Wir merken auch, wie wichtig es ist, die Rechte, die derzeit beschnitten sind, zu achten und zu schützen. Bei allen Maßnahmen, die wir zum Schutz vor der Epidemie ergreifen, gilt es, Acht zu geben und unsere Rechtsstaatlichkeit zu wahren. Freiheit erfordert Mut, und angesichts der Pandemie ist es allzu leicht, der Angst nachzugeben. In den kommenden Wochen und Monaten helfen uns aber weder Angst noch Leichtsinn, sondern eine robuste Mischung aus Vorsicht und Zuversicht. In dem Maße, wie die Ausbreitung der Infektionen zurückgeht und die Kapazitäten zur Behandlung schwerer Fälle ausgebaut wird, können wir hoffentlich einige Beschränkungen lockern. Viele der Maßnahmen zur Vermeidung von Ansteckungen werden aber noch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben müssen, bis die zahllosen Wissenschaftler, die in der ganzen Welt an der Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungen arbeiten, erfolgreich sind. Es ist diese globale Forschergemeinschaft, die das Virus am Ende besiegen wird, und nicht nationalistische Politiker, die sich mit großem Propagandagetöse einen Kleinkrieg um Maskenlieferungen und Grenzschließungen liefern, um als große Macher dazustehen. Bis es soweit ist: Bleiben wir zuversichtlich, bleiben wir vorsichtig und rücksichtsvoll. Haben wir Geduld mit den Menschen, die sich leichtsinnig verhalten oder aus Angst überreagieren. Helfen wir denen, die Hilfe benötigen, und scheuen wir uns nicht, selbst um Hilfe zu bitten, wenn wir sie brauchen. Halten wir Sicherheitsabstand, aber nur körperlich. Haben wir ein offenes Ohr für unsere Mitmenschen, und sorgen wir füreinander – alle gemeinsam.