Große Friedenskundgebung am Königshof in Mettmann

Am Samstag versammelten sich auch in Mettmann etwa 500 Menschen an der Treppe des Königshofes, um ihrer Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung mit zahlreichen Transparenten und ukrainischen Fahnen Ausdruck zu verleihen und ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Zur Veranstaltung aufgerufen hatte der Integrationsrat, unterstützt vom „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage“, den „Omas gegen Rechts“ und allen Fraktionen im Stadtrat. Sandra Pietschmann in ihrer Funktion als Bürgermeisterin hielt eine ausdrucksstarke Rede zur katastrophalen Situation in der Ukraine und sprach sich vehement für den Frieden aus. Sie legte mehrere Redepausen ein, die von den DemonstrantInnen genutzt wurden, um mit Unterstützung der Sängerin Kostanze Backes bekannte Friedenslieder zu singen. Die sehr emotionale Rede der mit ihrem Ehemann und Sohn in Mettmann lebenden Ukrainerin Natalie Schiebener berührte die Anwesenden wohl am stärksten. Sie konnte einen Teil ihrer Familie, darunter ihre Eltern, zu sich nach Mettmann holen. Ihren Bruder, weitere Familienmitglieder und FreundInnen musste sie aber im Kriegsgebiet zurücklassen. Das bereite ihr große Sorge und sie bange um deren Leben. Sie bedankte sich für die unermüdliche Unterstützung und Solidarität der hiesigen Bevölkerung. Sie warb außerdem um eine zügige Aufnahme ihres Landes in die EU: „Die Ukraine will schon lange Teil der Europäischen Union sein. Wir müssen zeigen, dass Totalitarismus und Waffen nichts gegen Gemeinschaft und Demokratie sind.“ Die vollständige Rede von Natalie Schiebener finden Sie unterhalb der Fotos.

Die Rede von Natalie Schiebener im Wortlaut:

„Hallo liebe Mettmannerinnen und Mettmanner,

Mein Name ist Natalie Schiebener.

Ich freue mich, heute hier zu sein und für meine Land, meine Heimat, die Ukraine zu sprechen.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die heute hier sind, um Solidarität mit der Ukraine in dieser schweren Stunde zu zeigen. Das Unfassbare ist passiert, Krieg in Europa im 21. Jahrhundert, und wir müssen mehr als je zusammenhalten.

Ich habe heute das Glück, dass meine Eltern bei mir sind. Nach einer Woche auf der Flucht sind sie gestern in Mettmann angekommen und sind jetzt in Sicherheit. Viele andere Menschen haben dieses Glück aber nicht. So wie ich in den ersten Tagen des Krieges wachen sie jeden Tag auf und wissen nicht, ob ihre Liebsten noch am Leben sind.

Ich habe das Glück, mein Kind bei mir in Sicherheit zu haben. Viele andere Mütter haben dieses Glück nicht. Sie müssen sich gemeinsam mit ihren Kinder vor russischen Bomben verstecken und Angst um das Leben ihrer Kinder haben. 

Mein Bruder ist immer noch in der Ukraine und ich habe jeden Tag Angst um sein Leben. Viele meiner Freundinnen und Freunde sind in der Ukraine, sie müssen sich täglich der tödlichen Gefahr stellen, und das tun sie mit Menschlichkeit und Würde.

Es ist unglaublich, zu sehen, wie viele selbstorganisierte Hilfsorganisationen in der Ukraine in dieser Zeit entstehen, wie viele Menschen bereit sind, einander zu helfen.

Genau das passiert auch in Europa. Für die Unterbringung meiner Eltern und meiner Cousine mit ihren zwei Kindern habe ich so viel Unterstützung von den Bürgerinnen und Bürgern von Mettmann erhalten, dass mir die Tränen in den Augen stehen von dieser Großzügigkeit.

Ich bemerke in dieser Krise sehr viele Parallelen zwischen dem Verhalten von Ukrainern und dem von Deutschen. Die Ukrainer haben gezeigt, dass sie die europäischen Werte teilen. Sie haben gezeigt, dass sie für die Demokratie kämpfen wollen und werden. Und die Ukraine soll Teil der EU werden, das steht für mich außer Frage! Die Ukraine soll wieder aufgebaut werden und ein starker europäischer Partner werden.

Aber zuerst muss der Krieg beendet werden.

Dafür  müssen wir noch mehr und stärkere wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland fordern. Wir müssen zeigen, dass Brutalität und Waffen nichts gegen Gemeinschaft und Demokratie sind. Dass heute nicht die Zeit der Oligarchen und Gewalt ist, sondern die Zeit des Friedens und der Zusammenarbeit.

Wir müssen auch zeigen, dass unsere Menschlichkeit uns mehr wert ist als Geld. Dass auch wenn der deutschen Wirtschaft Verluste entstehen, wir uns trotzdem dem Tyrannen entgegenstellen.

Ich glaube, dass die Menschheit heute gemeinsam steht. Wir wollen alle nachhaltige Entwicklung, ein anständiges Leben für alle Menschen und vor allem Frieden. Putin ist nur eine Person, die das alles zerstören möchte. Aber das können wir nicht zulassen. Ein Ego-Krieg von einem Mann kann uns nicht verunsichern. Wenn wir gemeinsam stehen, können wir ihn stoppen.“

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