GRÜNE: Stadt Mettmann lässt Ehrenamtliche beim Stadttaubenmanagement im Stich – Antrag zur Futterkostenübernahme angekündigt 19. Januar 202619. Januar 2026 Claudia Kamprolf: „Warum plant die Stadt ein Taubenhaus, wenn sie gleichzeitig die Ehrenamtlichen verliert, die es betreiben sollen?“ Seit 2009 ist im städtischen Ratsinformationssystem dokumentiert, dass die Taubenpopulation in Mettmann kontinuierlich wächst. Die Folgen sind sichtbar: Verschmutzungen an Gebäuden und Konflikte mit Geschäftsbetreibenden und Anwohnenden. Um das Problem tierschutzgerecht zu lösen, wurde im November 2024 ein mehrstufiges Stadttaubenmanagement nach bundesweit bewährtem Vorbild beschlossen: kontrollierte Fütterung, die Errichtung eines Taubenhauses und schließlich Austausch von Eiern gegen Attrappen zur Bestandskontrolle. Ehrenamtliche setzen Ratsbeschluss um – auf eigene Kosten Für die Umsetzung gründete sich der Verein Stadttauben Mettmann e.V.. Die ehrenamtlichen Helferinnen füttern täglich hunderte Tauben an der genehmigten Stelle, versorgen kranke Tiere tierärztlich und lassen – wenn nötig – leidende Tiere einschläfern. „Die Ehrenamtlichen leisten genau das, was beschlossen wurde“, erklärt Co-Fraktionssprecherin Claudia Kamprolf. „Aber sie tun es weitgehend auf eigene Kosten – obwohl ihnen die Kostenübernahme durch die Stadt zugesagt wurde.“ Politische Zusage vs. juristische Spitzfindigkeiten Die damalige Bürgermeisterin Sandra Pietschmann hatte den Ehrenamtlichen ausdrücklich zugesagt, dass die Stadt die Futter- und Tierarztkosten übernimmt. Dies ist in Sitzungsprotokollen dokumentiert. „Das Problem: Im eigentlichen Beschluss wurden diese Kosten nicht explizit erwähnt“, kritisiert Kamprolf. „Diese Lücke nutzt die Stadtverwaltung nun aus.“ In seiner Antwort auf die GRÜNEN-Anfrage argumentiert Bürgermeister André Bär juristisch: Tauben seien nach Rechtsprechung keine „Fundsachen“, daher bestehe keine rechtliche Verpflichtung zur Futterversorgung. „Das mag formaljuristisch stimmen“, entgegnet Kamprolf, „aber politisch ist das ein Armutszeugnis. Die Stadt hat Ehrenamtliche um Hilfe gebeten, ihnen Zusagen gemacht – und lässt sie nun im Regen stehen.“ Co-Fraktionssprecher Martin André ergänzt: „Wir haben hier eine absurde Situation: Der Rat beschließt das Stadttaubenmanagement zu ermöglichen, die Verwaltung bittet Ehrenamtliche um Mithilfe – und dann versteckt sich die Stadtverwaltung hinter juristischen Spitzfindigkeiten, um die Futterkosten nicht tragen zu müssen. Das ist keine verantwortungsvolle Verwaltungsführung.“ Stadt spart durch Ehrenamtliche erhebliche Kosten ein Dabei profitiert die Stadt vom Engagement der Ehrenamtlichen. „Durch die kontrollierte Fütterung und die Bestandskontrolle sinken die Verschmutzungen in der Innenstadt bereits jetzt“, erklärt Kamprolf. „Die Stadt spart dadurch ganz erhebliche Kosten ein – Aufwendungen für die Beseitigung von Verschmutzungen, für die Behebung von Schäden durch Taubenkot an städtischen Gebäuden, für Reinigungsarbeiten im öffentlichen Raum.“ Martin André ergänzt: „Ohne das Stadttaubenmanagement würde die Taubenpopulation weiter wachsen – und damit auch die Folgekosten. Die Investition in Futter und tierärztliche Versorgung hilft, größere Schäden und höhere Ausgaben in der Zukunft zu vermeiden. Das sollte auch wirtschaftlich im Interesse der Stadt sein.“ Taubenhaus ohne Betreiber? Die politische Konsequenz liegt auf der Hand: „Wir fragen uns ernsthaft: Warum errichtet die Stadt ein Taubenhaus, wenn sie gleichzeitig die Ehrenamtlichen verliert, die es betreiben sollen?“, so Kamprolf. „Ein Taubenhaus ohne die Menschen, die es betreuen, ist nur ein leeres und damit teures Gebäude.“ Die Folgen sind absehbar: „Wir können gut verstehen, wenn der Verein Stadttauben Mettmann e.V. bald aufgibt. Niemand kann erwarten, dass Ehrenamtliche dauerhaft aus eigener Tasche ein städtisches Projekt finanzieren.“ Gebe der Verein auf, werde die Taubenpopulation weiter wachsen – und damit auch die Probleme und Kosten. GRÜNE bringen Antrag ein – Appell an demokratische Fraktionen Um die Lücke im Ratsbeschluss zu schließen, werden die GRÜNEN nun einen Antrag einbringen: Ein mehrstufiges Verfahren des Stadttaubenmanagement soll umgesetzt werden, Kosten für Futter, Tierarztbehandlungen und eventuell notwendige Euthanasie der Tauben sollen von der Stadt Mettmann vollumfänglich übernommen werden – auch rückwirkend. „Wir bitten die demokratischen Fraktionen im Rat um Unterstützung“, appelliert Martin André. „Der Beschluss für das Stadttaubenmanagement im November 2024 war einstimmig. Jetzt müssen wir auch gemeinsam dafür sorgen, dass es finanziert wird. Alles andere wäre unglaubwürdig.“ Die GRÜNEN fordern zudem: Aufstellung von Projekt-Taubenhäusern noch vor der Haupt-Brutzeit, um mit der Bestandskontrolle beginnen zu können Zügige Entscheidung über den endgültigen Standort des Taubenhauses Hintergrund: Was ist Stadttaubenmanagement? Stadttauben sind verwilderte Haustiere, keine Wildtiere. Ein tierschutzgerechtes Taubenmanagement funktioniert in drei Stufen: Kontrollierte Fütterung: Tauben werden an einer festgelegten Stelle gefüttert. Das verhindert „wildes“ Füttern und Verschmutzungen in der Innenstadt. Bestandskontrolle: In Taubenhäusern werden Eier gegen Attrappen ausgetauscht. So sinkt die Population auf natürliche Weise, ohne Tiere zu töten. Gesundheitsmanagement: Kranke Tiere werden tierärztlich versorgt, der Gesamtbestand wird gesünder. Dieses Konzept ist in vielen deutschen Städten erfolgreich und wird vom Tierschutzbund empfohlen. Die Alternative – Abschuss – ist gesetzlich verboten. Vergrämen hat in den letzten Jahrzehnten nachweislich nicht funktioniert, wie der Stadttaubenbestand in Mettmann deutlich zeigt.